Samstag, 31. August 2013

Post no. 6

Meine erste Woche nach den Examen...

Schlafentzug! Ich habe die letzten Nächte weniger geschlafen als in Frankfurt. Eigentlich schlafe ich hier mindestens eine Stunde mehr, aber die Nacht von Montag auf Dienstag war einfach der Horror. Da ich Sonntag auf Montag auch nicht so viel geschlafen hatte, weil ich hier noch einen kleinen Film mit meinem Gastvater zu Ende gucken wollte, der zwar schon um acht Uhr abends gestartet ist, aber mit den ganzen Werbepausen bis mindestens halb elf gedauert hat. Ich habe dann irgendwann aufgegeben, weil mir schon fast die Augen zugefallen sind. Meine Gastfamilie hat zwar Sky, doch wenn man dann auf den "normalen" Sendern ein Film guckt, bedeutet das alle zehn für fünf Minuten Pause. Gefühlt dauert der Film sogar noch länger und ist sogar anscheinend lang genug, um zwischen dem Film noch Nachrichten zu senden. Die eigentliche schlaflose Nacht war die nach der Operation der Hündin. Die wurde nämlich am Montag operiert (fünf Zähne und zwei Irgendwas, eins am Fuß und eins am Auge, mussten dran glauben). Sie sieht gerade sehr lustig aus: ein blaues Auge, einen Verband um den Fuß und am Montag war sie noch nicht so ganz sicher auf den Beinen und hatte die ganze Zeit noch ihre Zunge raushängen. Und sie hatte Schmerzen und winselt dementsprechend laut und oft. Leider hat sie aber noch genug Kraft mit meiner Gastschwester zu kämpfen, während die ihr versucht die Schmerztabletten zu geben, und diesen Kampf dann auch noch zu gewinnen. Ich weiß nicht, wieso sie sich in dieser Nacht ausgerechnet meine Tür ausgesucht hat, um davor zu winseln und an der Tür zu kratzen. Normalerweise schläft sie immer mit meinen Gasteltern oder mit meiner internationalen Gastschwester im Bett, außer Montag. Ich muss wohl doch ein bisschen geschlafen haben, denn irgendwann muss sich Lesley erbarmt haben und sie versucht von meiner Tür weg zu kriegen, aber irgendwann muss es die Hündin wohl wieder geschafft haben vor meine Tür zu kommen. Widerstand zwecklos.
Nachdem ich jetzt ausgiebig meine Nacht beschrieben habe, sollte ich vielleicht auch mal die Tage beschreiben. Dieses Wochenende war mein erstes Wochenende, an dem ich nichts vorhatte. Also keine Ausflüge, nichts. War, glaube ich, aber weniger langweilig, als es klingt. Wenn man schon alleine 2,5 Stunden braucht, um15 Quadratmeter Rasen zu mähen, ist das Wochenende schnell vorbei. Mein Gastbruder hatte nämlich, trotz mehrfacher Bestechungsversuche meines Gastvaters (Bier), seit einem Monat nicht den Rasen gemäht, und der war dann dementsprechend lang. Außerdem sind ja immernoch die Hunde da, mit denen man immerhin ein bisschen laufen kann. Und auch sehr gut alle zwei Meter stehen bleiben übrigens.
Nachdem am Montag nichts spannendes passiert ist, ging es dann am Dienstag gleich spannend los. Nicht wie sonst eine viertel Stunde sich beim Tutor langweilen, sondern nur einen Zettel an der Tür: Heute in der Mini-Turnhalle. Wo ist die Mini-Turnhalle? Nachdem ich so stolz war, den Plan der Schule nicht mehr zu brauchen und ihn fast zu Hause gelassen hätte, war ich jetzt wieder die internationale Schülerin, die keine Ahnung hat, wo was in dieser Schule ist. Und natürlich bin ich zu spät gekommen. Am Dienstag war nämlich eine Versammlung, bei der sich alle Schüler eines Hauses getroffen haben und Ankündigungen gemacht wurden. Ich bin im Bell-Haus, das ist -so wurde es mir gesagt- das Haus der Schlauen (die internationalen Schüler sind da aber nur reingekommen, weil die meisten anderen Häuser überfüllt waren). Aber das Beste an dem Haus ist sein Maskottchen: Das Krümelmonster. Ich warte immernoch auf den Begrüßungskeks...
Wenn auch kein Begrüßungskeks, aber Pancakes mit Marmelade, bekam ich in der Pause. In Photographie baken die Schüler meistens nur und der Lehrer hat eine Pfanne, fertigen Pancaketeig, Marmelade und Messer. Was will man mehr? Interessant nur, dass das als Unterricht durchgeht.
Außerdem habe ich es geschafft zweimal innerhalb von einer viertel Stunde von meiner Geschichtslehrerin angemotzt zu werden. Alles fing damit an, dass wir in einen Computerraum gegangen sind und ich keinen Arbeitsauftrag gekriegt habe. Dann habe ich irgendwann angefangen auf meinem Computer zu spielen, nachdem ich von meiner Lehrerin streng angeguckt wurde, wenn ich geredet habe. Da aber alle Computer von der Bibliothekarin überwacht werden, hat meine Lehrerin einen Zettel mit dem Vermerk gekriegt, dass ich spiele. Die war davon nicht so beigeistert, aber daran zu kommen, mir einen Arbeitsauftrag zu geben, ist sie natürlich auch nicht. Nach zehn Minuten auf den Bildschirm starren und andere beim tippen zu beobachten, habe ich dann mein Handy rausgeholt. Auch keine so gute Idee. Wenigstens hat sie sich dann erbarmt mir einen Arbeitsauftrag zu geben: Über die frühe, deutsche Geschichte und nicht über die Nazi-Zeit. Ich dachte jetzt muss ich einen Aufsatz über das Mittelalter oder früher schreiben, aber falsch gedacht. Deutsches Reich, Otto von Bismarck. Frühe, deutsche Geschichte, klar.
Am Mittwoch hat sie mir dann einen neuen Arbeitsauftrag mitgebracht. Das mit Bismarck hatte sie wahrscheinlich schon halb vergessen. Dieser Arbeitsauftrag war dann das gleiche, was ich auch im Exam geschrieben habe, ich habe allerdings zur Sicherheit nichts gesagt. Hab es dann auch am Freitag zurück gekriegt: kleines bisschen schlechtere Benotung, obwohl ich mehr geschrieben habe beziehungsweise das Gleiche... da sagt noch mal einer, die Lehrer würden das objektiv benoten...
Sonst läuft hier alles auf Hochtouren für die Hochzeit!

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