Samstag, 24. August 2013

Post no.5

Meine ersten Examen...


Wieso lachen mich eigentlich alle Chilenen immer aus, nur weil ich das "r" nicht rollen kann? Dafür können sie das "ch" nicht richtig aussprechen. Und wenn Streichholzschächtelchen noch klappt, dann klappt das tschechische oder das griechische Streichholzschächtelchen ganz bestimmt nicht mehr. Diese Erfahrung habe ich gemacht als ich mit Valentina, meiner neuen Gastschwester, am Donnerstag zum Strand runtergelaufen sind. Wir dachten uns, wir sind supernett, wenn wir die Hunde mitnehmen. Nur waren die leider von der Idee nicht ganz so begeistert. Bei dem Blinden muss man immer höllisch aufpassen, dass er keine Bordsteinkante runterfällt, und die Hündin muss man spätestens auf dem Rückweg des insgesamt ganzen zwei Kilometer langen Weges hinter sich herziehen. Oder sie setzt sich einfach hin und guckt einen nur an. Auch ist sie sich zu fein, durch das Gras zu laufen und läuft dann auf dem Bürgersteig. Da läuft sie dann lieber ein paar Meter mehr, anstatt sich die Pfoten dreckig zu machen.
Da es am Freitag wieder geschüttet hat (wie seit einer Woche eigentlich), mussten wir uns etwas einfallen lassen, was man auch bei schlechtem Wetter machen kann. Aber Auckland ist irgendwie eine Schönwetterstadt. Aber das Sea-Life hat sich definitiv nicht gelohnt: erstens ist es eher für kleinere Menschen oder Kinder ausgerichtet, so dass man sich ständig bücken muss oder nur denn oberen Rand des Aquariums sieht (wo meistens Luft ist und dementsprechend nicht so viele Fische); zweitens ist das Sea Life insgesamt nicht so groß und gefühlt nimmt der Souvernirshop ein Viertel der Fläche ein. Eigentlich wollten wir danach noch durch das Stadtzentrum von Auckland laufen, aber Regen, immer nur Regen. So blieb uns wieder nur das Einkaufszentrum übrig, das ich mittlerweile schon fast auswendig kenne. Entweder wir sind zu blind um andere Einkaufszentren oder so in dem Stadtzentrum zu finden, oder es gibt wirklich nicht mehr.
Am Samstag waren wir dann so schlau uns eine Schlecht-Wetter-Attraktion auszusuchen, die sogar in der Nähe liegt. Total kreativ: Ein Kino. Zusätzliche Schwierigkeit: Der Film ist ab 16 (in Deutschland ist er aber ab 12, keine Sorge). Bei zwei von uns dreien, die 15 sind hat es geklappt. Bei der Dritten dann nach viel Diskussionen auch. Ich mache übrigens nie wieder den Fehler mich zwischen zwei Chilenen zu setzen, die während des Films lautstark reden. Auf Spanisch wohlgemerkt.
Schwer zu glauben, aber einer größtenteils total verregneten Woche sollte dann einen ganzen Tag lang die Sonne scheinen. Hat es dann auch am Sonntag. Fast. Aber viel entscheidener für den Tag war, dass wir dank der genialen Organisation viel später und auch auf einer ganz anderen Insel gelandet sind, als wir eigentlich wollten. Da er schlauerweise den Wochentagsplan der Busse gelesen hatte und nicht den Sonntagsplan, sind wir dann natürlich zu spät gekommen und haben es nicht mehr auf Rangitoto geschafft. Da aber um Auckland zum Glück massenhaft Inseln sind, haben wir einfach die nächste Fähre genommen, die fuhr. Dann eben ganz spontan nach Waiheke, nachdem die Laune der Truppe auf einem Tiefstand gewesen war. Eine kleine, verlassene Insel hat man vergeblich gesucht, was nicht heißt, dass es nicht schön war. Mit dem Bus sind wir erst einmal zu einem Strand gefahren und das erste mal habe ich den Horizont gesehen! Wenn man nämlich in Howick oder Cockle Bay am Strand ist, ist davor immer irgendeine Insel. Nachdem wir dann alle unsere Füße durchnässt hatten und der Strand irgendwann langweilig wurde (man hat ja auch einen in laufentfernung von zu Hause), sind wir dann in einen Wald gegangen. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen langweilig, aber es war mehr ein Regenwald als ein Laubwald. Das bedeutet leider auch, dass die Schuhe, die vorher nur durchnässt waren, jetzt auch noch voller Schlamm waren (ich habe sie immer noch nicht sauber gemacht). Wir sind auch mit einer weniger raugekommen, als wir reingekommen sind. Sie hatte eine andere Abzweigung als wir genommen, ist aber alles gut gegangen. Handy sei dank. Auf der Rückfahrt hat es dann leicht angefangen zu nieseln. Ich habe aber da erst verstanden, wieso es "City of Sails" heißt: Überall Segelboote vor der Skyline.
Am Montag begann die zweite Woche der Examen und ich hatte frei. Wenn ich keinen Gitarrenunterricht gehabt hätte. Der deutsche Junge war da (das ist übrigens auch der, der das mit Ringitoto/Waiheke vermasselt hat), aber der chilensiche Junge nicht. Eigentlich bestand der Unterricht bisher aus Einmal-das-Stück-durchspielen und danach hat uns der Gitarrenlehrer erklärt, was für tolle Techniken er kann und wie schwierig die sind. Aber es war ja auch erst die zweite Stunde...
Ich habe zum Glück beide Male Nachmittagsexamen erwischt und konnte deshalb immer ausschlafen. Mein Tagesablauf am Dienstag und Mittwoch sah ungefähr so aus: spät aufstehen, großes Frühstück machen, alibi-mäßig lernen, um ein Uhr zu den Examen gehen und dann abends nach Hause gehen und essen. Am Dienstag war ersteinmal das Geschichtsexam dran. Das war extra ein Exam für internationale Schüler und hat allgemeine Geschichtskenntnisse abgefragt (mit Quellen arbeiten etc), der zweite Teil war aber eine Überraschung. Für mich jedenfalls. Meine andere internationale Klassenkameradin wusste davon irgendwie Bescheid und hatte -als ich sie das letzte Mal gesehen habe- noch das gleiche Gedacht wie ich. Die Lehrerin hat, darauf schwöre ich, an die Tafel geschrieben, dass wir etwas über die neuseeländische Geschichte machen sollen. Das liegt irgendwie auch nahe, weil wir die Stunden davor immer neuseeländische Geschichte gemacht haben. Aber...: Schreibe einen Aufsatz über einen geschichtlichen Vorfall in deinem Heimatland. Ja... Es ist nicht so, dass ich wirklich nicht mehr weiß, aber mir fehlen die Details oder einzelne Jahreszahlen um einen Aufsatz daraus zu machen. Aber ich habe es dann doch tatsächlich geschafft einen eineinhalb Seiten langen Aufsatz daraus zu machen. Den Rest der drei Stunden habe ich gemalt. Außerdem wollte ich sowieso früher gehen, weil ich mich noch mit ein paar Internationals verabredet hatte.
In Social Studies, was ich am Mittwoch geschrieben habe, kam immerhin das dran, was ich auch erwartet hatte: Walfang im Südlichen Ozean und die Burka. Ich habe mich allerdings nur sehr intensiv, wie schon im vorherigen Blogeintrag beschrieben, mit dem Walfang befasst. Bei dem Burka-Themen ist glaube ich ein kleines Missgeschick passiert: Hinten standen die Erwartungen, was man in dem Aufstatz schreiben soll und die dazugehörige Note. Ich weiß nicht ob das so gedacht war, dass man das nur noch ausformulieren musste und dann die Bestnote kriegt.
Da meine Gastschwester ja nächste Woche heiratet und wir dazu eingeladen sind, mussten wir (meine chilenische Gastschwester und ich) uns noch Kleider kaufen. Es hatte natürlich keiner von uns gerechnet, dass wir hier gleich auf eine Hochzeit eingeladen werden. Gesagt getan. Nach umfangreichem Styling und Tonnen von Make-up, meinten meine beiden Gastschwestern, dass ich höchstwahrscheinlich problemlos Alkohol bestellen kann (der ist hier ab 18, aber seinen Führerschein kann man schon mit 16 machen. Braucht man hier wahrscheinlich auch früher, weil es ja keine Fahrräder und fast keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt...). Das war aber mehr so der Zwischenstand. Nach einer neuen make-up-idee sah ich mehr aus wie ein Panda.
Dann die große Neuerung: Schule. So wirklich mit Unterricht und so! Allerdings hat die Hälfte der Klasse anscheinend beschlossen, dass es sich nicht lohnt am Freitag nach den Examen zur Schule zu kommen und deshalb waren wir noch weniger als sonst. In manchen Fächern sind wir nur ein Dutzend und wenn da fast die Hälfte fehlt... Die Lehrer haben aber einfach normalen Unterricht weiter gemacht oder wir haben die Examen zurück bekommen. Und... Ich habe in Geschichte bestanden. Die allgemeinen Geschichtskenntnise sogar mit Auszeichnung und den Aufsatz gerade so. Sie hat sogar ein Smiley neben mein wunderschönes Kunstwerk, das ich währenddessen gemalt habe, gemacht. Ich weiß nicht so ganz, ob ich das ohne meinen International-Bonus geschafft hätte. Doch bestimmt. Der Aufsatz ist echt gut geschrieben und klingt überhaupt nicht nach: Was haben wir als letztes in der Schule gemacht? Ich schreib einfach ohne einen Zusammenhang alles auf, was ich noch weiß.

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