Samstag, 3. August 2013

Post no. 2

Meine erste Schulwoche...

Erkältet. Das war ja irgendwie so klar. Da ich ja schlauerweise meine Jacke in Frankfurt vergessen habe (es war aber auch zu warm, um an Jacken und Wintersachen zu denken), laufe ich hier jetzt mit drei verschiedenen Jacken rum. Wie gesagt, in der Schule interessiert es sowieso keinen, ob ich da jetzt mit Regenjacke da sitze. Außerdem regnet's und weht's gerade draußen, kein Wunder, dass ich erkältet bin. Es war so schön die letzten Tage mit Sonne, keiner Wolke und mindestens fünfzehn Grad...
Zum Glück hatten wir schönes Wetter auf dem Orientation Trip. Orientation Trip bedeutet: Alle internationalen Schüler werden zusammen in einen Bus gesetzt und man karrt sie durch die Gegend der Schule. Was in Frankfurt bestimmt die Stadt gewesen wäre, sind hier die Strände, die Kirche und Sylviaparks. Das ist ein Einkaufszentrum, in dem wir ganze drei Stunden verbracht haben, obwohl wir alle eigentlich nur schlafen wollten. Wir haben zwar nicht wirklich etwas gemacht, außer ein bisschen am Strand rumlaufen, aber es ist einfach unglaublich anstrengend die ganze Zeit Englisch zu verstehen oder sprechen. Zwei Strände sind übrigens nur zehn Minuten zu Fuß von meinem Haus entfernt. Man würde wahrscheinlich trotzdem mit dem Auto hinfahren.
Eastern Auckland, das Gebiet, in dem ich lebe ist eigentlich ein eigener Stadtteil. Man kriegt alles hier. Kann vielleicht auch daran liegen, dass die Stadt von Auckland 45 Minuten entfernt ist. Deswegen wurde sie uns wahrscheinlich auch nicht gezeigt.
Vor dem Orientation Trip wurden wir noch von den Maoris begrüßt. Das war ein bisschen - naja sagen wir - gewöhnungsbedürftig. Mein Musikgeschmack ist es definitiv nicht. Außerdem haben Schüler getanzt. Denen muss echt kalt gewesen sein, bei dem was die anhatten oder besser gesagt nicht anhatten. Ein Maori hatt außerdem noch eine Rede oder ein Gebet oder sowas gehalten. Ich hab davon jetzt aber nicht soo viel verstanden. Bis gar nichts.
An der Schule sind für eine Woche 30 Japaner, die dann auch noch was gesungen haben. Der japanische Lehrer hat dann noch eine Dankesrede gehalten, bei der ich micht gewundert habe wieso der englische Lehrer nur die erste Hälfte übersetzt hat. Bis mir dann aufgefallen ist, dass der Japaner ja mittlerweile Englisch redet... (Ich hab nur thank you verstanden und dachte mir, dass das jetzt wohl Englisch ist.)
Lesley, die Mutter, hab ich hier glaub ich noch gar nicht erwähnt, obwohl ich am meisten mit ihr zu tun hab. Sie war jetzt nur die letzten Tage weg. Irgendwo südlicher, aber keine Ahnung wo. Ohne sie, ist das Familienleben gleich nahe Null. Das Abendessen, von Alex gekocht, wurde erst um neun gegessen. Auch das Gemüse fiel eher spärlich aus (ist ja jetzt nicht soo schlecht). Es gab fried chicken a là KFC mit Pommes und einem Löffel Krautsalat.
Am Mittwoch hatte ich dann wieder ganz normal Schule. Normalerweise haben Seniors (Year 11-13, also auch ich) nach der vierten Stunde aus, aber da ich Französisch habe und es das nur in Year 10 gibt habe ich eine Stunde und ein Fach mehr als alle anderen. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass ich eine Stunde Englisch und eine Stunde SOS (social studies) an anderen Tagen verpasse.
Aber Französisch ist so einfach. Die sind zwar 14/15 Jahre alt, aber sind gerade erst dabei die Vergangenheit zu lernen. Und wir drei internationalen Schüler sitzen hinten in der Ecke und reden beziehungsweise langweilen uns zu Tode. Die Lehrerin braucht allein schon ewig um jeden einzelnen Schüler zu begrüßen.
In Musik machen wir rein gar nichts. Also wenn man will, kann man üben für die Examen (da müssen die irgendwas vorspielen) aber man kann genauso gut zusammensitzen und nichts machen.
In Chemie machen wir gerade Redoxreaktionen (ich bin in der zwölften Klasse, in welchem Jahr macht man das in Deutschland? Acht? Neun?). Ist aber sonst fast genauso wie in Deutschland: Die Experimente funktionieren nie, wenn man sie vorführt. Außerdem sitze ich neben zwei Maoris: Ko Meret taku ingoa! Außerdem haben sie mir noch versucht ein maroisches Lied beizubringen, von dem sie selber nicht einmal wirklich die Bedeutung wissen. Ist auch so kläglich gescheitert.
In Geschichte bin ich zusammen mit einer Brasilianerin. Offensichtlich ist sie mit dem Ziel hier hergekommen "Ich lerne so viel ich kann" und hat deshalb die Geschichtslehrerin gebeten, einen Test für uns zu schreiben, den wir dann während der Examszeit schreiben. Neuseeländische Geschichte. Ist vielleicht ganz interessant, aber mir hätte durchlesen und vielleicht ein paar Notizen machen auch schon gereicht. Während die Brasilianerin das ganze Buch schon zu Hause durchgearbeitet hatte, hab ich gerade mal das erste Kapitel durchgelesen. Sie hat dann nach einem neuen Buch gefragt. Außerdem wollte sie nicht mit auf den Orientation Trip, um keinen Unterricht zu verpassen. Ich versteh sie nicht.
In Englisch bin ich auch zusammen mit ihr. Zu einem Film unserer Wahl hat sie 2,5, ich 1,5 und ein Italiener 0,5 Seiten geschrieben. In der Kürze liegt die Würze, sag ich nur.
In Mathe verstehe ich rein gar nichts. Meine Sitznachbarin kommt aus China und war mal professionelle Gymnastik-Irgendwas. Mit jeden Tag 4-5 Stunden Training. Sie versteht das auf jeden Fall alles und deswegen reden wir die ganze Zeit nur im Unterricht. Ich hab jetzt nur gearscht, wenn ich ein Test oder so was schreiben muss.
In SOS muss ich glaub ich noch irgendeinen Aufsatz über den Walfang-Krieg zwischen Japan und Norwegen schreiben. Habe mir schon tonnenweise Powerpoint-Präsentationen deswegen ausgedruckt. Nachdem ich dieses komplizierte Druck-Verfahren in der Schule verstanden hatte: Man muss sich am Computer in Howick-Net einloggen (das ist sozusagen die Dropbox des Howick-College), dann auf Drucken gehen, dann einen beliebigen Drucker aussuchen, dann zu irgendeinem Drucker gehen und sich dann einloggen. Und dann druckt es endlich erst. Bis ich das mal verstanden habe, war schon die halbe Stunde rum. Und ich hab noch kein einziges Wort für meinen Aufsatz geschrieben.
Am Mittwochnachmittag war ich dann mit einer Deutschen (da fliegt man um die halbe Welt und hängt trotzdem nur mit Deutschen ab! ok. Stimmt nicht ganz, auch Italiener und Chilenen) am Strand. Leider war da das Wetter schon schlechter, so dass wir beide gefroren haben ohne Ende (Erkältung und so...).

3 Kommentare:

  1. Soso, kein Gemüse ist ok. Hmpf. Wo ist da die gesunde Erziehung abgeblieben? Und bist du nicht mit dem Ziel nach NZ gefahren, so viel zu lernen wie möglich?

    Heinz

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    1. Ich hab sogar schon Brokkoli gegessen!!! Und ich hätte Ferien in Deutschland!!
      Vielleicht solltet ihr euch mal gedanken über eure Gemüse-Erziehung machen. ;)

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  2. lol! Das mit den Japanern kenne ich. Das ist das Volk, das anscheinend irgenwie genetisch nicht in der Lage ist, englisch zu lernen. Ist auf allen internationalen Tagungen das gleiche. Die lässt man dann machen, weil bringt nichts.

    Munter bleiben!
    Volker

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