Nachdem ich mit Erschrecken festgestellt habe, dass die erste Woche schon bereits rum ist, sollte ich vielleicht auf Anraten eines gewissen Elternteils beginnen zu erzählen, was alles in dieser Woche passiert ist, bevor ich es vergesse.Die erste Woche...
Zugegebenermaßen habe ich in den ersten Tagen nicht allzu viel unternommen... Leider kann ich noch nicht mal die Ausrede benutzen, dass ich einen Jetlag hatte. Denn ich hatte keinen. Ich habe einfach im Flugzeug fast nicht geschlafen, so dass ich nach 20 Stunden Flug (viel zu lang) und 4 Stunden Aufenthalt in Seoul einen solchen Schlafentzug hatte, dass ich nachdem Ankommen bis abends durchgeschlafen habe, dann gegessen habe und dann wieder ins Bett gegangen bin und wieder bis 9 Uhr geschlafen habe. Dazu muss man sagen, dass ich um 7 Uhr morgens angekommen bin.
Nachdem meine Taschen durchleuchtet wurden, um zugucken, ob dort irgendwelche schlimmen Sachen, wie dreckige Wanderschuhe, dreckige Sportschuhe und Essen sind (alles dies hatte ich dabei, die Kontrolle war also echt sinnvoll) wurde ich von der Auslandskoordinatorin der Schule empfangen. Sonya hatte ihren Sohn dabei. Ist das normal das ein 14-jähriger Schüler morgens um 7 eine halbe Stunde zum Flughafen fährt, nur um einen der 30 internationalen Schüler abzuholen?
Dann schnell die mit den Nerven an Boden liegenden Eltern angerufen, mit denen sowieso nicht viel anzufangen war. Wie mit mir im übrigen auch nicht, Schlafentzug und Aufregung sind keine gute Mischung.
In der Cockle Bay Road angekommen, wurde ich erstmal von den zwei Hunden begrüßt, gleich danach aber auch von Vater und Sohn. Tom, der Vater führte mich dann durch Haus und stellt mich gleich vor eine schwierige Entscheidung. Welches Zimmer für das nächste halbe Jahr mein Zimmer sein sollte. Uneigennützlich wie ich nun mal bin, habe ich dann das Zimmer mit der besseren Aussicht, dem größeren Bett und dem größeren Kleiderschrank genommen. Und ich dachte ich wäre schlau, wenn ich das Zimmer nehme, dass im Sommer nicht so warm wird. Naja wir haben hier Winter und das bedeutet leider auch, dass es dementsprechend kälter ist. Das könnte aber auch an der Einfachverglasung der Fenster und der dicke der Außenwände liegen, denn knapp 10°nachts finde ich jetzt nicht so kalt. Meistens gilt also Innentemperatur gleich Außentemperatur, so dass in der Schule alle mit Jacke im Unterricht sitzen.
Dass mein Zimmer das größere Bett hat, bedeutet leider auch, dass es weniger Freiraum als das andere hat: Man kann genau einmal ums Bett herum laufen. Das war's.
So jetzt aber zu dem, was ich gemacht habe. Wie gesagt, außer Essen und schlafen nicht viel. Das Essen ist echt gut und besteht nicht nur aus Mikrowellen-Essen. Allerdings wird, wenn überhaupt, abends zusammen gegessen. Das bedeutet, immer wenn die Freundin von Alex oder Jessica, die Tochter, die zwar schon ausgezogen, aber immer noch viel bei uns ist, essen wir richtig zusammen. Freitags ist es z. B. mehr ein jeder-sucht-sich-aus-was-er-sich-für-Essen-aufwärmen-will-und-ist-es-dann-wann-er-will.
Frühstück ist jeder zu unterschiedlichen Zeiten. Aber die ersten Tage hatte ich Glück, denn Alex war immer zu Hause, so dass er mir jeden Tag ein dickes Sandwich mit Bacon oder Rührei gemacht hat. Dank diesem Rührei, habe ich schon am zweiten Tag eine der Regeln gebrochen, die uns später noch eingebleut wurden: "Fahre nie mit jemanden, der noch keine vollen Führerschein hat. Wir haben schon Schüler deswegen zurückgeschickt".
In den ersten drei Tagen mit Rumsitzen auf dem Bett und Streicheln der Hunde war die einzige Abwechslung neben dem Essen, dass Sonya kam und die Hausregeln besprochen hat. Wie z. B. dass ich nie länger als 5 Minuten duschen darf, was man nie einhalten kann, dann das Wasser braucht alleine eine Minute um warm zu werden. Oder dass ich mich alleine in der Küche bedienen darf, ich wäre sonst morgens verhungert. Die verhängnissvollste aller Regeln besagt aber, dass ich alleine waschen muss. Noch habe ich genug saubere Sachen.
Am Samstag bin ich meine ersten Schritte zu Fuß durch Auckland gelaufen!! Ich wurde vonTom (natürlich mit dem Auto) zu Jessicas Haus gefahren, das sicherlich nicht mehr als eine viertel Stunde zu Fuß entfernt liegt. Sie renovieren gerade das Haus, das auch eine Pool hat, in dem ich dann im Sommer schwimmen darf. Ich bin dann mit ihrem Hund zusammen zum Strand runtergelaufen(!!!).
Abends war dann das Abendessen bei Sonya mit allen internationalen Schülern. Das bedeutet mit Schülern aus Chile, Brasilien, Italien, Japan, China, Korea und Deutschland. Allerdings hauptsächlich Deutschen und Chilenen.
Am Sonntag musste ich das erste Mal früher aufstehen, denn um 10 haben wir einen Englisch-Test geschrieben. Die Italienerin war am Samstagabend ganz weiß geworden, nachdem sie erfahren hat, dass wir diesen Test schreiben. Ich war eine der zwei Auserkorenen, die ihren Test erst eine halbe Stunde später bekommen hatten, weil sie nicht genug Test-Blätter kopiert hatten. Aber obwohl ich sicherlich nicht mehr als dreiviertel ausgefüllt habe, bin ich trotzdem in "Mainstream-English" gekommen und nicht in einen separaten Englisch-Unterricht. Nach der Pizza bekamen wir unsere Stundenpläne und wurden noch ein bisschen auf dem Schulgelände rumgefürt. Die Schule besteht nicht wie in Deutschland aus einem oder zwei großen Gebäuden sondern aus unzähligen kleinen Gebäuden die nicht wirklich geordnet sind. Verlaufen vorprogrammiert.
Gestern war also mein erster Schultag. Jeder Schultag startet erstmal mit einer viertel Stunde bei seinem Tutor um 8.40. Wir mussten allerdings früher da sein um unsere Buddies zu treffen. In der Theorie sollen sie uns bei unseren ersten Schultagen begleiten und uns zeigen wo die ganzen Räume sind. In der Theorie. Sie hat mich zwar zu Englisch gebracht, aber danach war sie entweder nicht da oder wir haben uns verpasst. Auf jeden Fall sind alle Internationals mit ihren Buddies in der Schule rumgelaufen außer ich. Ich hab sie bis jetzt nicht wieder gesehen. Mein Buddy heißt Maddie und rudert. Sie will mir auch ihren Ruder-Verein zeigen, mal gucken wie das wird. Ich werde sie ja morgen in der Tutor-Stunde wiedersehen. Hoffe ich.
Ich bin in Year 12 eingestuft, das vorletzte Schuljahr, ich denke weil das vom Stoff her passt. Da ich aber erst 15 bin sorgt das bei vielen Lehrern für Verwirrung. So auch bei der Englisch-Lehrerin, sie war kurz davor sich bei der International-Lehrerin zu erkundigen, ob da auch alles richtig sei. Der Englischunterricht wäre echt einfach. Wenn er auf deutsch wäre. Wir machen gerade Filmkritik, mir fehlen schon allein alle nötigen Vokabeln dafür.
Ein Problem, das ich allerdings in allen Fächern habe, ist, dass in zwei Wochen für zwei Wochen Examen sind. Das bedeutet mit dem Stoff sind sie jetzt fast durch und bereiten sich nur noch auf die Examen vor. Eigentlich kann ich die nächsten 4 Wochen in Sachen Unterricht vergessen.
In Social Studies war ich im Gegensatz zu Englisch die einzige internationale Schülerin. Der Unterricht bestand nur aus dem Ausfüllen eines Blattes, was man den schon alles gemacht hat. Das war alles für eine ganze Stunde Unterricht. Nach den 5 Minuten, die das ganze gebraucht hat, wurde eigentlich nur noch geredet.
Danach Mathe. Gleiches Problem wegen den Examen. Sitz aber neben einer Chinesin, die das alles schon gemacht hat.
In Musik bin ich in der Abschlussklasse. Keine Ahnung wieso. Wir sind aber nur ein Dutzend Schüler, also ist das recht entspannt. Jeden Montag ist ein Gitarenlehrer an der Schule, dem ich dann auch gleich vorgestellt wurde. Nachdem ich noch ein Stück anspielen musste, habe ich jetzt während der Unterrichtszeit jeden Montag Unterricht. Außerdem meine ich mich zu erinnern, dass der Musiklehrer gesagt hätte, dass ich bis zu den Examen in der Unterrichtszeit üben könnte.
In Chemie war das einzige Stundenziel Lernkarten zu machen. Das was wir zu Hause machen oder eben nicht, machen die in der Schule. Und das 2 Wochen vor den Examen.
Alles im allem kann mal also sagen: Es ist wirklich entspannter hier in der Schule.
HAb ich das so richtig verstanden das du nicht die Examen mitschreiben musst, oder? Weil das wäre ja schon ganz schön hart..
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