Mein letzter Schultag...
Obwohl ist jetzt schon wieder ein paar Tage her ist kann ich es immer noch nicht glauben: Das sollen jetzt alle meine Schultage in Neuseeland gewesen sein? Es fühlt sich nicht so an, als würde ich jetzt hier schon für mehr als drei Monate zur Schule gegangen sein. Und der letzte Schultag an sich war auch sehr komisch. Eigentlich hatte ich keine normale Schulstunde, immer waren irgendwelche Verabschiedungen von Schülern, die schon ein Jahr früher zur Uni gehen, oder ein gemeinsames Frühstück oder Wiederholungsspiele. Bei einem dieser Wiederhongsspiel habe ich sogar mitgespielt, da aber immer nur Fragen aus anderen Themenbereichen, die dann gemacht wurden, als ich noch nicht da war, habe ich nicht wirklich zum Gewinnen meines Teams beigetragen. Und bei der einzigen Frage, die sich meine Lehrerin extra für mich ausgedacht hat, habe ich auch mehr oder weniger versagt: Sing doch mal die deutsche Nationalhymne! Erstes Problem: Ich kann nicht singen; zweites Problem: Wie ging noch mal der Text genau? Die erste paar Zeilen habe ich mehr oder weniger dahin gestottert, aber danach? Keine Ahnung.
Und in der letzten Stunde habe ich es irgendwie geschafft - ich weiß selber nicht ganz genau wie - in die Verabschiedung der Year 13er zu kommen. Alles fing damit an, dass ich die Mittagspause mit Schülern verbracht habe, die eine Aufführung bei der Verabschiedung hatten und die sich gerade darauf vorbereitet haben. Eigentlich hatte ich vor, als eine brave Schülerin zur meiner letzten Stunde zu gehen, aber da ich irgendwie die Klingel überhört haben muss... Und die besagten Schüler hatten anscheinend auch schon fest damit gerechnet, dass ich zu ihrer Aufführung komme. Spätestens als ich mit Wechselklamotten und Geschenken bepackt, habe auch ich das realisiert. Allerdings stand mir mein "großer Auftritt" noch bevor: Ich trotte also ahnungslos in die vollbesetzte Aula und habe erst einmal keine Ahnung. Meine Geschichtslehrerin ist dann allerdings aufgestanden, so dass ich mich hinsetzen konnte. Währenddessen hatten die Schüler aber schon angefangen mit ihrer Aufführung, mein ganzes Geraschel von den unzähligen Plastiktüten in Mitten einer Gruppe von Lehrern, während ich mich hingesetzt habe, ist bestimmt nicht aufgefallen. Mein zweiter Auftritt bestand darin - natürlich war alles vorher abgestimmt - die Geschenke auf die Bühne zu tragen. Mit ungefähr zweiminütiger Verspätung.
Sonst gab es noch jede Menge "Thank you"s an die Lehrer, was an sich allerdings nicht ungewöhnlich ist. Nach jeder Stunde sagt fast jeder Schüler noch einmal Danke zu den Lehrern. Generell wird sich hier sehr viel bedankt. Unter anderem auch bei den Busfahrern. Das ist wirklich sehr lustig, wenn jeder noch mal durch ganzen Bus Thank you zum Busfahrer ruft. Womit wir auch wieder bei meinem Lieblingsthema wären. Nicht nur, dass die Busse wirklich immer zu spät sind (allerdings haben sie einen Trick gefunden, wie sie das umgehen können: Nur die Zeiten der ersten Haltestelle sind "planmäßig", alle anderen sind nur "ungefähr"), sie kürzen auch gerne ab oder übergehen Haltestellen. Wenn ein Busfahrer also der Meinung ist, dass es so schneller ist, dann fährt er halt diesen Weg. Ganz egal, ob da jetzt vielleicht Leute vergeblich auf den Bus warten, der eine Abkürzung genommen hat. Und es ist überhaupt nicht schlimm, wenn ich anstatt 100 Meter zwei Kilometer laufen muss, weil er erst an der nächsten Haltestelle mit Fahrplan hält (es gibt nämlich viel Bushaltestellen, die genau aus einem Schild bestehen: Bus Stop. Kein Fahrplan, noch nicht mal die Buslinien sind dort ausgeschildert.
Außerdem habe ich festgestellt, wie viel die Schuluniform die Freizeitmode doch beeinflusst, obwohl es Kiwis sicherlich nicht zugeben würden. Nicht nur, dass man das ganze Jahr über kurze Hose bzw kurze Röcke trägt völlig unabhängig von den Temperaturen; nein, die Mädchen tragen deutlich mehr Röcke oder Kleider. Und Jungs, man muss nicht bis zum Knie hochgezogene Strümpfe zu einer kurzen Hose in seiner Freizeit anziehen! In der Schule mag das vielleicht kontroliert werden, aber keiner zwingt euch dazu, das auch danach zu machen.
Eine andere Mode ist definitiv das iPhone. Beispiel: Eine Umfrage in einer Matheklasse mit ungfähr 20 oder 25 Schülern: zwei davon gar kein Smartphone, zwei davon kein iPhone. KEIN iPhone, nicht EIN iPhone.
Und nach sieben Uhr abends ist auch nichts mehr im Einkaufszentrum los. Die meisten Läden schließen jeden Tag um halb sechs - haben dafür allerdings auch alle am Sonntag auf - und für die Sachen, wie Kino oder Bowling, ist meistens auch so früh Schluss, weil der letzte Bus um 7 geht.
Jetzt habe ich aber ersteinmal Ferien. Sehr lange Ferien...
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